Die Verdrehung der Welt
Kein Wunder, daß die Kaffee-Maschine klagte und stöhnte.
Alle Zutaten um einen Kaffee zuzubereiten waren da, aber sie fanden nicht zueinander. Wer hatte den Wasserhahn, aus dem das Wasser herausläuft, in die falsche Richtung gedreht? So wartete das Kaffeepulver vergeblich auf die Ankunft der Tropfen. Nichts kam dort an, wo es hingehörte, nichts lief dahin durch wo man es erwartete.
Im Wasserbehälter wurde zwar das Wasser nach wie vor erhitzt und sollte danach vom Heißwasserkopf verteilt werden, aber so rann es nur in den Wasserbehälter zurück und stellte den Fortgang der Welt auf eine schwere Probe.
Das Röcheln der Maschine kann uns nicht täuschen. Das ist kein Leiden, das ist kein Schlußseufzen. So beginnt die Unendlichkeit. Alles steht immer auf Anfang und nichts hört auf. So macht man sich auf den Weg in die Welt und kommt doch nur zu Hause an. Muß das sein? Wer faßt sich endlich ein Herz und dreht den Wasserspender so, daß er auf das Kaffeepulver tropfen kann? Natürlich ist die Unendlichkeit ein Mysterium. Da greift man nicht ungestraft ein.
Eigentlich ist es gut zu wissen, daß nach uns noch was kommen wird - und sei es Gott. Gott trinkt Tee.
© Erwin Grosche
Erwin Grosches Web-Seite: www.erwingrosche.de
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