Die „Lifestyle-Teilzeit“ ist vom Tisch
Die CDU rudert zurück
Von Lothar Leuschen
Viel Lärm um nichts? Der Wirtschaftsflügel der CDU hat seinen Vorwurf bedauert, in der Diskussion um Arbeit in Deutschland zum Begriff „Lifestyle-Teilzeit“ gegriffen zu haben. Er richtete sich gegen jene, die weniger arbeiten, aber nicht, weil es anders nicht geht, sondern weil sie es wollen und mehr Einkommen mithin nicht nötig haben. Über diese Gruppe von Menschen läßt sich natürlich deshalb trefflich streiten, weil Deutschland das Recht auf Teilzeit eingeführt hat. Wahrscheinlich ist die beschriebene Gruppe aber so klein, daß sie in der Diskussion eigentlich gar keine Rolle spielen sollte. Den Wirtschaftsexperten in der CDU ist es stattdessen gelungen, eine sinnvolle Debatte mit einem Vorstoß auf Populisten-Niveau im Keim zu ersticken. Analog zum Streit über die Lebensarbeitszeit funktionierten schließlich die üblichen Mechanismen. Hier werden Dachdecker und Maurer als Argument gegen jede Veränderung angeführt, dort sind es die Alleinerziehenden. Im Ergebnis führt das alles zu Stillstand. Dabei sagen alle Beteiligten unisono, dass Reformen nottun. Doch dazu sind die Parteien und die Bevölkerung anscheinend gar nicht bereit. Deshalb wird jede Äußerung möglichst fehlinterpretiert, um sich die weitere Veränderungsarbeit zu ersparen.
Das ist mißlich, vor allem in Zeiten wie diesen. Denn in einer unberechenbarer gewordenen Welt dümpelt Deutschlands Wirtschaft knapp über der Rezessionsgrenze. Das befeuert die Diskussion über Arbeitszeit schon vor dem Hintergrund, daß ein Tag mehr Arbeit im Jahr zu einem Wachstum von 0,3 Prozent führen kann. Also zehn Tage mehr im Jahr – und die Welt ist wieder in Ordnung? Mitnichten. Denn mehr Arbeit allein reicht nicht aus, wenn sich nicht auch die Rahmenbedingungen ändern. Für Unternehmen hieße das etwa erheblicher Bürokratieabbau sowie verläßliche Handelszonen für den Export. Für Arbeitnehmer bedeutete es vor allem Entlastung des Einkommens von Steuern und Abgaben, damit sich Mehrarbeit auch lohnt. Eine Einschränkung des Rechts auf Teilzeit kann auch ein Beitrag sein. Aber erst dann, wenn der Staat durch genügend Plätze in der Kinderbetreuung und neue Wege in der Pflege älterer Menschen seine Pflicht getan hat.
Der Kommentar erschien am 4. Februar in der Westdeutschen Zeitung.
Übernahme des Textes mit freundlicher Erlaubnis des Autors.
Redaktion: Frank Becker
|

