Theater Münster ist der erste Theaterneubau
nach dem 2. Weltkrieg in Deutschland
Am 4. Februar 1956 - vor 70 Jahren also –
wurde die Bühne mit der „Zauberflöte“ feierlich eröffnet
Als am 4. Februar 1956 - heute vor 70 Jahren - im neuen Theater in Münster die „Zauberflöte“ erklang, war von einem „Donnerschlag“ die Rede. Der bezog sich allerdings nicht auf Mozarts Opernmusik, sondern auf die gewagte Architektur des ersten vollständigen Theaterneubaus in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Das Theater Münster, ein Neubau aus 1956 des Architektenteams um Max von Hausen mit Ortwin Rave, Werner Ruhnau und Harald Deilmann (bis 1955) wurde unter der Intendanz von Hermann Wedekind realisiert. Den Haupteingang bekrönt die Skulptur „Raum-Zeit-Plastik“ des Künstlers Norbert Kricke aus den Jahren 1955/56.
Der damals moderne kastenartige Bau mit emporragendem rundem Bühnenhaus, der historische Mauerreste des zerstörten Lortzing-Theaters einfaßt, begeisterte die internationale Fachwelt. Die Londoner „Times“ sprach damals sogar von dem Neubau als Theater „wie ein Märchenschloß“. Doch bis heute gibt es durchaus auch widersprüchliche Stellungnahmen zu dem vor 70 Jahren eingeweihten Theaterbau. Die reichen von „sieht aus wie eine Schwimmhalle oder ein Gymnasium“ bis hin zu einem „nicht wirklich schön aussehenden Musentempel“, wie Theaterbesucher wenige Tage vor dem Jubiläum meinten.
Die Stadtväter votierten Anfang der 1950er Jahre gegen eine originalgetreue Rekonstruktion. Am Standort des früheren Lortzing-Theaters im ehemaligen Adelshof der Familie von Romberg an der Neubrückenstraße sollte etwas ganz Neues entstehen. Der Entwurf des Neubaus sollte - für heutige Verhältnisse nur unglaublich niedrige 5,3 Millionen D-Mark kosten. Zur Eröffnung mit reichlich regionaler und überregionaler Prominenz damaligen Deutschen Bundespost sogar eine Sonder-Briefmarke. Damals gratulierte unter anderem der berühmte Dirigent Herbert von Karajan dem Intendanten Bruno von Niessen zum neuen Theater.
Das „Große Haus“ des Theaters hatte damals 955 Plätze. Das 1971 hinzugekommene „Kleine Haus“ brachte es immerhin noch auf 280 Plätze. Im Untergeschoss des Kleinen Hauses befindet sich zudem das „U2“, eine kleine Bühne mit etwa 50 Plätzen. Nach der Zerstörung des Theaters im Sommer des Kriegsjahres 1941 durch die Luftangriffe auf Münster wurde zunächst das Foyer der Stadthalle als Notbühne mit 300 Zuschauerplätzen genutzt. Im März 1950 fiel der Entscheid gegen eine originalgetreue Rekonstruktion der verlorenen Bauten, es sollte ein Neubau entstehen.
Zunächst war geplant, daß Münster ein neues Theater im Stil des monumentalen Neoklassizismus erhalten solle. Den Plänen des Architekten hatte der Rat der Stadt bereits 1950 einmütig zugestimmt; allerdings vereitelte eine akute Etatkrise die Ausführung dieser Pläne. Nach kontroverser öffentlicher Diskussion kam es zu einer Ausschreibung, die bis Oktober 1952 lief. Am 16. Mai 1954 wurde der Grundstein gelegt, am 4. Februar 1956, als erster Theaterneubau nach dem Krieg, dann das neue Haus eröffnet.
Das Theater Münster ist heute ein Fünfspartentheater und bietet Vorstellungen der eigenen Ensembles in den Sparten Musiktheater (Oper, Operette, Musical), Schauspiel, Tanz (Ballett) und Junges Theater Münster. Außerdem finden hier die Sinfoniekonzerte des Sinfonieorchesters Münster statt. Ergänzt wird das Programm durch die Produktionen der Niederdeutschen Bühne, Gastspiele, Lesungen und Vorträge. Pro Theater-Saison stehen etwa 30 Premieren (600 Vorstellungen) auf dem Programm. Generalintendantin des Theaters ist seit dem 1. Januar 2022 Katharina Kost-Tolmein.
Im Internet: www.theater-münster.com
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