Die berühmten Speisesätze 2026
Kuchengenuß
Es ist wichtig, daß man beim Kuchengenuß nicht nur schwach ist. Der Kuchen muß spüren, daß man genau weiß, was man tut. Eine gewisse Härte macht gerade den Verzehr von Blätterteighörnchen zu einem Erlebnis: „Ich bin ein sündiger Mensch“, sagt der Blätterteigverzehrer. „Im Grunde stehe ich nur im Weg.“ So zersplittert das Blätterteighörnchen und macht mit seinem schlechten Gewissen sich erst genießbar. So wird der Genuß verzeihbar. Man küßt nicht Bambi ohne rot zu werden. Man erzählt sich, daß Angela Merkel vor dem Treffen mit Putin immer ein Blätterteighörnchen gegessen hat. So war sie ihm moralisch überlegen. Putin selbst aß Puddingteilchen. Alles Unglück dieser Welt entsteht im Grunde durch eine falsche Ernährung.
Essenstechniken
Das Essen eines Pfirsichs steht mir nicht. Das weiß doch jeder, daß man einen Abstand zum Pfirsich wahren muß, gerade wenn er einem nahe kommt. Das ist so als müßte man auf der Betriebsfeier den aalglatten Abteilungsleiter von sich weisen während er einen umarmen will. Man ißt auch einen Pfirsich als wollte man vor ihm weglaufen. So hinterlassen wir Visitenkarten, die unser ganzes Hin- und Hergerissen sein auf diesem Planeten beschreiben kann. Die völlige Hingabe kann nur der erreichen, der auf den Pfirsich verzichtet. Manchmal muß man Tschüssikowski sagen zu etwas was wir nicht im Griff haben. Das Kontaktverbot zu meiner Schwiegermutter fällt unter dieses Thema. Das betrifft den Pfirsich genauso wie die Kernkraft. Nicht umsonst hat der Pfirsich einen Kern, den man nur schwer entsorgen kann. „Auch die heiße Bratwurst aß er so, daß man nicht in ihrer Haut stecken wollte.“ Müssen wir immer zeigen wie sehr wir unter den Bedingungen des Lebens leiden? „Auch ein Eis kann man mit einem Löffel essen, aber wenn wir es lecken haben wir mehr davon.“ Erst im totalen Verzicht liegt unsere Chance zu überleben. Erst im totalen Verzicht liegt aller Genuß.
(weitere folgen)
© Erwin Grosche
Erwin Grosches Web-Seite: www.erwingrosche.de
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