Höchste Zeit, der Klaus zu sein

von Detlef Färber

Detlef Färber - Foto © Silvio Kison
Höchste Zeit, der Klaus zu sein
 
Floskeln gibt's, die gibt's gar nicht. Soll heißen: Ein paar davon fehlen uns ganz und gar. Dabei bräuchten wir sie dringend! Was antworte ich zum Beispiel auf ein Guten Appetit vom Tischnachbarn, der schon fertig ist mit essen. Danke gleichfalls wäre dann ja der nackte Hohn. Hier tut sich mal wieder das berüchtigte Problem des Rückwärtsgrüßens auf: Grüßen im Gehen, Willkommen zum Abschied - alles sprachlich äußerst heikel! Ein Unbekannter, mit dem ich lange rede natürlich ohne zu wissen, wie er heißt - will sich mir beim Tschüss-Sagen schnell noch vorstellen. Und er tut das mit dem pfiffigen Satz: Ich war der Klaus. Applaus dafür, Applaus für Klaus!
       Solche Leute trifft man gern. Und gern auch später mal wieder. Denn dann werden sie der Klaus gewesen sein. Aus jetziger Sicht. Oder besser noch die Claudia. Vollendete Zukunft ist besser als gar keine. Doch was wird aus dem, der eben noch besagter Klaus war? Überläßt er etwa neuen Kläusen oder sogar Nicht-Kläusen sein Feld? Kann ja sein, daß er lieber ein ganz anderer sein will und dafür sein eigentliches Lebenswerk, die Klaus-Werdung, hinschmeißt. Tu's nicht, Klaus! Für dich wird`s höchste Zeit, der Klaus zu sein! Und nicht nur gewesen zu sein. Oder, noch schlimmer: Dein wahres Klaus-Sein immer in die Zukunft zu verlagern. In eine ewig unvollendete Zukunft. Dann lieber gleich ab in den Plusquamperfekt, unter den Grabstein der Grammatik.
       Wo waren wir stehengeblieben? Ach ja, beim Thema Rückwärtswünsche: Der Klassiker ist hier der retrospektive Morgengruß Wünsche wohl geruht zu haben. Zwar stammt er aus der Mottenkiste der Redensarten, trotzdem wird man genau da anknüpfen müssen. Was übrigens meinen Antwortgruß als Mittagstisch-Nachzügler betrifft, versuch ich's jetzt einfach mal mit Guten Appetit noch nachträglich. Doch was muß ich sehen? Lauter irritierte Gesichter! Liegt aber sicher nicht an mir.
       Wer weiß, was diese Leute gegessen haben.
 
 
© Detlef Färber