Wer solche Freunde hat ...
Vier Jahre Rußlands Krieg gegen die Ukraine
Von Lothar Leuschen
Das Datum des heutigen Tages bedeutet die größte Zäsur im Zusammenleben der europäischen Staaten seit dem 8. Mai 1945, seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa. Rußlands Überfall auf das Nachbarland Ukraine am 24. Februar 2022 beendete eine Zeit des Friedens auf dem Kontinent, er beendete die Hoffnung darauf, daß die Mächtigen der Welt aus 50 Millionen Toten, aus Elend, Not, Zerstörung und Vertreibung gelernt haben. Zumindest Wladimir Putin hat das nicht. Seine anachronistische Vision vom großrussischen Reich stürzt seither Menschen in Verzweiflung. Eltern verlieren ihre Kinder in einem Krieg, der mit immer moderneren Waffen darauf angelegt ist, Grenzen zu verschieben. Der David Ukraine kämpft gegen den Goliath Rußland aufopfernd, aber vermutlich auf verlorenem Posten.
Denn zu Beginn des fünften Kriegsjahres wird einmal mehr deutlich, daß die Ukraine letztlich allein dasteht in ihrem Überlebenskampf. Sie kann sich auf niemanden verlassen. Für den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika ist das angegriffene Land nicht mehr als ein Handelsobjekt. Unterstützung gegen Rohstoffe und Einfluß. Aber diese Zusage gilt nur so lange, bis Donald Trump den Eindruck gewinnt, mit Putin bessere Geschäfte machen zu können. So ist die Ukraine nur ein Spielball zwischen zwei Großmannsüchtigen.
Und Europa? Die Staatengemeinschaft hat nur zu Beginn des russischen Überfalls den Eindruck erweckt, wirklich eine Gemeinschaft zu sein. Fortan bildeten sich innerhalb der Europäischen Union Fraktionen. Da sind Deutschland, Frankreich und Polen, die es wirklich ernst meinen mit der Unterstützung der Ukraine, weil sie wissen, daß deren Niederlage auch die Freiheit des übrigen Europas bedrohte. Da sind Spanien, Portugal oder Italien, für die dieser Krieg sehr weit weg ist und im politischen Alltag kaum eine Rolle spielt. Und es gibt die Slowakei sowie vor allem Ungarn, die der EU aus politischem Kalkül Knüppel zwischen die Beine werfen. Auch das verlängert diesen Krieg. Den Preis dafür bezahlen die Menschen in der Ukraine. Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde.
Übernahme des Textes mit freundlicher Erlaubnis des Autors.
Redaktion: Frank Becker
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