Spicy Lachs
Ich hielt die Sushi-Verpackung hoch und fragte was „spicy“ bedeuten würde. Der Koch druckste herum, als müßte er sich erst klar darüber werden ob ich für diese Erklärung schon reif genug war. „Lachs“ sagte er schließlich. „Lachs?“, sagte ich. Lachs kannte ich, nur was hatte das mit spicy zu tun? Er zeigte auf den Aufkleber auf dem man „spicy Lachs“ lesen konnte. War das der Spitzname des Lachs gewesen als er noch im japanischen Meer für Furcht und Schrecken gesorgt hatte? „Hello ladies, my name is spicy Lachs.“ Als ich im Internet „spicy“ eingab, übersetzte es die Betrugsmaschine mit „scharf“. Scharf? Ich atmete auf. Die Gelegenheit einem Menschen, der Interesse an der japanischen Lebensart hat, einen Begriff wie spicy zu erklären, hat man nur einmal im Leben. Sind wir nicht alle durch unsere Alpträume darauf vorbereitet solche Umstände zu verarbeiten, als hätte man eine Tabasco-Flasche mit einem Schluck geleert? Wem spicy widerfährt, schläft auf einem Nagelkissen und nuckelt an einer Peperoni. Man lacht nicht nach dem Biß einer Kobra. Laßt mich spicy erklären. Laßt mich spicy sein. Ich würde zucken wie nach einem Stromschlag. Ich würde die Augen aufreißen, als ginge die Sonne auf und wollte mich blenden. Ich würde die Luft anhalten, bis ich schamrot glühte, als hätte jemand unflätige Ausdrücke benutzt die man sonst nur in einem Pornofilm hört. Ich würde hecheln und japsen damit jeder versteht, daß spicy Lachs der Schlüssel ist für ein Leben in Nordkorea. Da geht es nicht ums Schmecken, da geht es ums Überleben. Wollen wir das Leben mal sehen wie es ist wenn wir überlebt haben? Spicy Lachs, so heißt der Infodienst in der Hölle. Spicy Lachs, so nennt man Veronika, wenn ihr Mann nicht im Raum ist. Spicy Lachs, das ist der Namenstanz eines Anthroposophen wenn er Barthololololololomäus heißt. Spicy Lachs, das nimmt man in Guantanamo zum süßen der Götterspeise.
Erwin Grosches Web-Seite: www.erwingrosche.de
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