Wenn Trauer nicht aufhört: Neue Therapiestudie startet

Von der Universität Wuppertal werden Teilnehmer gesucht

von Katja Bischof

Dr. Laura Melzer im Therapiegespräch - Foto: Universität Wuppertal

Wenn Trauer nicht aufhört: Neue Therapiestudie startet
 
Teilnehmer gesucht
 
An der Bergischen Universität Wuppertal startet ein neues Forschungsprojekt zur psychotherapeutischen Behandlung von Menschen mit Anhaltender Trauerstörung. Im Mittelpunkt steht die gezielte Behandlung von Schuldgefühlen und Selbstvorwürfen nach dem Verlust einer nahestehenden Person. Ab sofort stehen freie Therapieplätze zur Verfügung.
 
Der Verlust eines geliebten Menschen ist ein tiefgreifendes und schmerzhaftes Ereignis. Bei manchen Betroffenen bleibt die Trauer jedoch über einen langen Zeitraum besonders intensiv und erschwert den Alltag erheblich. In solchen Fällen kann eine sogenannte Anhaltende Trauerstörung vorliegen. Dieses Störungsbild wurde neu in internationale Klassifikationssysteme für psychische Erkrankungen aufgenommen und kann daher schon bald von Psychotherapeuten und Ärzten diagnostiziert werden.
 
Zu den Hauptsymptomen zählen eine anhaltende, intensive Sehnsucht nach der verstorbenen Person, eine starke gedankliche Beschäftigung mit dem Verlust sowie ausgeprägter emotionaler Schmerz. Häufig treten auch belastende Schuldgefühle und Selbstvorwürfe auf. „Betroffene haben oft das Gefühl, in ihrer Trauer festzustecken“, erklärt Prof. Dr. Franziska Lechner-Meichsner, Leiterin des Lehrstuhls für Klinisch-psychologische Intervention an der Bergischen Universität. Sie forscht seit vielen Jahren zur Behandlung von Trauer- und Traumafolgestörungen und ist zudem als Psychotherapeutin tätig.
Eine psychotherapeutische Behandlung kann dabei helfen, den Verlust so zu verarbeiten, daß schmerzhafte Gedanken und Gefühle bewältigt werden können. Ziel ist es, der verstorbenen Person einen angemessenen Platz in der Erinnerung zu geben und den Betroffenen zu ermöglichen, wieder ein erfülltes Leben zu führen.
 
Neue therapeutische Ansätze im Fokus
 
Neben der bereits etablierten trauerfokussierten kognitiven Verhaltenstherapie untersucht das Forschungsteam nun eine weitere vielversprechende Methode: Imagery Rescripting. Dieses Verfahren wird bereits erfolgreich in der Behandlung von Traumafolgestörungen und Angststörungen eingesetzt. „Bei Imagery Rescripting steht die Arbeit mit belastenden Erinnerungen im Mittelpunkt. Lebhafte Erinnerungen haben einen großen Einfluß auf unsere Gedanken und Gefühle – und genau diese Kraft der inneren Bilder machen wir uns in der Therapie zunutze“, erläutert Lechner-Meichsner.
 
Imagery Rescripting ist eine psychotherapeutische Methode, bei der belastende Erinnerungen mithilfe der Vorstellungskraft so verändert werden, daß sie einen emotional entlastenderen Verlauf nehmen. „Wir haben bereits die Erfahrung gemacht, daß die Methode dazu führt, daß Erinnerungen im Anschluß weniger schmerzhafte Gefühle auslösen“, ergänzt Dr. Laura Melzer, die als Psychotherapeutin im Projekt tätig ist.
 
Wer kann teilnehmen?
 
In der aktuellen Studie steht insbesondere die Arbeit mit Erinnerungen im Fokus, die mit Schuldgefühlen, Selbstvorwürfen oder dem Gefühl verbunden sind, nicht genug für die verstorbene Person getan zu haben. Gesucht werden Personen, die nach dem Tod einer nahestehenden Person unter solchen belastenden Gefühlen leiden. Der Verlust sollte mindestens sechs Monate zurückliegen. Um den Behandlungserfolg im Alltag zu erfassen, beantworten die Teilnehmenden zusätzlich täglich kurze Fragen per Smartphone.
 
Ablauf der Studie
 
Interessierte melden sich zunächst telefonisch für ein ausführliches Vorgespräch. Dabei wird geprüft, ob die Studienbehandlung geeignet ist, und es werden detaillierte Informationen zum Ablauf gegeben.
Bei Eignung folgt ein Diagnostiktermin in den Räumlichkeiten der Bergischen Universität Wuppertal in der Rathaus Galerie Wuppertal Elberfeld. Im Rahmen der Studie erhalten die Teilnehmenden anschließend eine Psychotherapie mit sechs Sitzungen à 100 Minuten. Die Behandlung wird von der Krankenkasse übernommen.
 
Kontakt Studienteam
Interessierte erreichen das Studienteam dienstags von 10 bis 12 Uhr und donnerstags von 10 bis 17 Uhr unter: Telefon 0202/439 5730
E-Mail trauerstudie[at]uni-wuppertal.de
Außerhalb der Sprechzeiten können Kontaktdaten auf dem Anrufbeantworter hinterlassen werden. Ein Rückruf erfolgt zeitnah.