Beziehung – bitter und süß

„Is this thing on?! von Bradley Cooper

von Renate Wagner
Is this thing on?
USA 2025

Drehbuch und Regie: Bradley Cooper
Mit: Will Arnett, Laura Dern, Bradley Cooper u.a.
 
Bradley Cooper, lange Zeit vor allem als Protagonist im heiteren Genre bekannt, machte 2018 gewissermaßen alternativ auf sich aufmerksam, als er ein Remake von „A Star Is Born“ mit Lady Gaga als Regisseur, Drehbuchautor, Produzent und Hauptdarsteller in die Kinos brachte. Ähnlich groß war die Aufmerksamkeit, als er in „Maestro“ 2023 das Schicksal von niemand Geringerem als Leonard Bernstein verfilmte und ihn selbst spielte (der Nichtjude den Juden, was für einiges Aufsehen sorgte). Jedenfalls hat sich der Regisseur Bradley Cooper als Mann der großen Brocken eingeführt. Nun von ihm eine eher leichtfüßige Ehegeschichte zu sehen (wo er sich erstmals auch nicht die Hauptrolle, sondern nur eine Nebenfigur zuteilte), ist einigermaßen überraschend.
 
Das Thema Trennung ist angesichts des hohen Anteils von Scheidungen in den Gesellschaften diesseits und jenseits des Ozeans durchaus virulent. Gerade im Kino hat man die wüstesten Interpretationen gesehen (zuletzt im Vorjahr die „Rosenschlacht“ mit Olivia Colman und Benedict Cumberbatch). In Coopers Drehbuch herrscht vor allem freundliche Melancholie und sanfter Humor – und es hat, da es dem wahren Schicksal des britischen Comedian John Bishop nachgestaltet ist, einen besonderen Aspekt. Nicht jeder getrennte Ehemann, der nicht weiß, wie er mit der neuen Situation zurechtkommen soll, stellt sich auf eine Bühne und arbeitet solcherart als Comedian seine privaten Probleme auf und ab. Das Publikum findet es lustig, und er fühlt sich nachher erleichtert – billiger als ein Psychiater.
Wichtig an diesem Film ist, daß es bei dem Ehepaar Alex und Tess Novak keine wilden Szenen gibt (auch wenn Tess einmal in den Vorwurf ausbricht, sie habe sich in gewissen Situationen vom Gatten im Stich gelassen gefühlt). Sie haben sich einfach nach fast zwei Jahrzehnten auseinander gelebt und beschließen, sich zu trennen, trotz zweier herziger zehnjähriger Söhne.
Nur – was tun? Abgesehen davon, daß Freunde und Familie sich dauernd einmischen und Ratschläge geben, hat man doch keine Ahnung, mit einer solchen Situation umzugehen. Alex, wie gesagt, versucht es mit der neuen Comedian-Existenz, die ihn glücklicher macht als sein Beruf, Tess denkt darüber nach, daß sie die längste Zeit nur für die Kinder da war und doch ein bemerkenswertes Leben als Sportlerin hinter sich gelassen hat. Ja, und dann – irgendeinen Kontrapunkt muss es ja geben – sitzt Tess, die von des Gatten neuem Job keine Ahnung hatte, im Publikum.
 
Alles recht glaubhaft und auch so gespielt von Will Arnett und Laura Dern, die unspektakuläre und nicht mehr junge Typen sind. Der Film widerspricht, obwohl er am Ende ein Happyend (!) bietet, in vielem den Klischees, die als Beziehungskisten auf die Leinwand kommen. Allerdings hat seine Gemessenheit auch den Preis, daß man sich bei wilden Rosenschlachten eindeutig besser unterhält.