The Chronology of Water
USA 2025 Regie: Kristen Stewart
Mit: Imogen Poots, Thora Birch, Jim Belushi u.s. Berühmt wurde Kristen Stewart in ihren Teenager-Jahren in den Twilight-Vampirfilmen, doch es waren zwei biographische Streifen, wo sie als Jean Seberg und (noch nachdrücklicher) als Prinzessin Diana den Erwachsenen-Ruhm erntete. Nun ist sie Mitte 30, und nach einigen Kurzfilmen und Musikvideos legt sie ihren ersten Spielfilm als Regisseurin vor. Gewählt hat sie ein seltsames Thema, und sie gibt ihm auch eine entsprechende Form.
Erzählt wird das Schicksal der 1963 geborene Lidia Yuknavitch, wie diese selbst es 2011 in dem autobiographischen Roman „The Chronology of Water“ niedergelegt hat. Wasser als Befreiungselement aus einem fraglos tragischen Schicksal, viel Entschlossenheit, der Gewalt der anderen und den eigenen Süchten zu entgehen, was Yuknavitch gelungen ist. Da ist man auch schnell mit den übergeordneten Begriffen der „feministischen Selbstermächtigung“ bei der Hand.
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Der fragmentarische Charakter, den Kristen Stewart ihrem Film gibt, ist angeblich durch die Form des Romans vorgegeben. Vieles wird nur angedeutet. Groß im Bild das verschreckte Gesicht eines kleinen Mädchens. Blut, Dusche, Schmerzen, Der Vater. Damals schon schreibt das Kind, das junge Mädchen, in sein Tagebuch. Man muß den Mißbrauch nicht aussprechen, er schreit einem entgegen.
Auch sonst spielt sich vieles in Großaufnahme in dem Gesicht der dann erwachsenen Lidia ab, der die Kamera immer ganz nahe kommt, so daß es für den Betrachter geradezu invasiv und unangenehm ist – zweifellos ein von der Regisseurin beabsichtigter Effekt.
Der Film scheint nur aus tremolierenden Emotionen zu bestehen, die sich auf dem Gesicht der schönen Hauptdarstellerin Imogen Poots abspielen, die die Stationen von Lidias wildem Schicksal abschreitet – weg von zuhause in eine Karriere als Schwimmerin, Selbstzerstörung durch Drogen, Männerbeziehungen, von denen erst die letzte hält. Selbst wenn man mit Lidia mitfühlt, sympathisch wird sie (in ihren verbalen und sexuellen Exzessen) natürlich nie.
Als sie in einer Universität in einen Schreibkurs aufgenommen wird (Jim Belushi liefert als Professor Ken Kesey eine seiner exzentrischen Studien – übrigens der Mann, der mit „Einer flog über das Kuckucksnest“ seinen Schülern vor-geschrieben hat, verrückte Außenseiter zu zeigen), wendet sich ihr Schicksal, Schreiben und Internet-Auftritte sind ihr neues (und heutiges) Leben.
Mit dem letzten Ehemann gibt es ein Kind (eines aus einer vorigen Beziehung ist gestorben), erst hält sie entzückt das Baby im Arm, wenig später endet der Film, der so schnell und fetzig geschnitten ist, daß man nervös werden kann, selig damit, daß sie mit dem kleinen Jungen ins Wasser geht… Wasser, einst das Element ihrer Erlösung aus dem Familien- und Mißbrauchs-Kerker. Happy End. Endlich.
Der Film wurde im Vorjahr in Cannes gezeigt, blieb zwar ohne Preis, aber viele Kritiken lobten vor allem die konsequente formale Exzentrik des Gebotenen als Umsetzung der Vorlage. Eine abnormale Geschichte, als solche gezeigt. Ein Arthaus-Publikum wird vermutlich entzückt sein. Aber wohl nur dieses.
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