Der Elberfelder Bach

Johann Michael Bach

von Matthias Buth

© cpo
Der Wuppertaler Bach
 
Von Matthias Buth
 
Kennen Sie die Kantate Das Volk, so im Finstern wandelt. (Alt, Tenor, Chor, 2 Trompeten, 2 Hörner, Pauken, 2 Flöten, 2 Oboen, Streicher und Basso continuo)  oder jene, die Die ihr den Herren liebet. (Tenor, Chor, 2 Hörner, 2 Oboen, 2 Fagotte, Streicher und Basso continuo) heißt? Na klar. Ist doch bestimmt von Bach. Stimmt auch.
Aber diese herrlichen Stücke sind von Johann Michael Bach, der in Elberfeld im Jahre 1820 sein Leben aushauchte. Ja, im heutigen Wuppertal, das es mit diesem Namen erst seit 1930 gibt (von der Zwischenphase mit Doppelnamen Barmen-Elberfeld ab 1929 einmal abgesehen) liegen seine Gebeine, inzwischen unauffindbar, auf einem Elberfelder Friedhof  - eingeebnet.
Eingeebnet ist aber nicht seine Musik, 12 Kantanten sind noch erhalten, viele geistliche Musik und auch Klavier- und Kammermusik so die Six Sonates pour le Clavecin. Op. 2. die Schweizer Natur-Szenen. Basel: Samuel Flick 1796. (Kunstlieder) und die Fantasie in C-Dur
 
Er wirkte in Tann und Elberfeld als Kantor. Der in Struth bei Schmalkalden 1745 geborene Komponist soll aus der Wechmarer Bach-Linie stammen  (die Forschung ist sich nicht ganz sicher) und so mit Johann Sebastian Bach weitläufig verwandt sein. Wer in YouTube nach dem Wuppertaler Bach sucht, findet einige seiner kräftigen und klangvollen Kompositionen. Das macht Wuppertal vielleicht noch nicht zu einer Bach-Stadt, Johann Michael Bach gehört aber doch zum Bach’schen Kosmos und so in die Pietisten-Stadt an der Wupper.
 
Der Spät-Rheinländer aus Zwickau, Robert Schumann, schrieb Melodramen und so auch der Elberfelder Bach, nämlich eines mit dem rätselhaften Namen Cephalus und Procris. Schumann studierte einige Zeit in Heidelberg Jura, um sich ganz der Literatur (Jean Paul, E.T.A. Hoffmann) und der Musik hinzugeben und sich bei Friedrich Wieck zum Pianisten ausbilden zu lassen, in Dresden reifte seine Musik im Weltformat, in Düsseldorf litt unter dem rheinischen Frohsinn. Nur wenige Jahre waren Schumann und Bach Zeitgenossen, Johann Michael ließ sich zunächst zum Advokaten ausbilden. In Güstrow arbeitet er als Rechtsanwalt, in Tann und Elberfeld aber dann nicht mehr, dort war er nach einigen Jahren in Basel eben als Komponist, Kantor und Musiklehrer tätig.
 
Wie der im ehemaligen neusprachlich-humanistischen Gymnasium Aue zu Elberfeld lehrende und deutschlandweit bekannte Musikpädagoge Erich Forneberg (1902 – 1972), dessen Mozart-Studien, die zur Mussorgski-Oper Boris Godunow  und Artikel in der Reihe Musik im Leben  lesenswert sind, schrieb J.M. Bach musiktheoretische Studien, so die Kurze und systematische Anleitung zum General-Baß. Kassel 1780. Und auch einen autobiographischen Roman soll er geschrieben haben, leider ist das Werk Der Druck von oben her, oder die empfindsame Welt, eine wahre Geschichte für Patrioten verschollen.
 
In Wuppertal ist immer schon die Musik zu Hause, Clara Schumann gastierte hier von Düsseldorf kommend oft im Tal der Wupper und die großen Dirigenten wie Hans Knappersbusch, Günther Wand, Hanns-Martin Schneidt und Peter Gülke gaben der Stadt mit W eigenen Klang. Keiner jedoch hat Musik von Johann Michael Bach gespielt. Das wird sich hoffentlich bald ändern, im Jahre 2029 wird ja die Stadtwerdung vor hundert Jahren gefeiert. Der in Wuppertal wirkende Lutz-Werner Hesse (geb. 1955), bedeutender Komponist und professoraler Musikerklärer, könnte Hilfestellung geben, das Bach-Erbe aus der Einebnung herauszuholen. Bach und Wupper sind sich nahe.
Die Gerechten werden ewig leben. So nannte Johann Michael Bach einen A cappella Chorsatz. Paßt dieser nicht zu Wuppertal?
 

© Michael Buth