Eine ungemütliche Geschichte

„Das Drama – Noch einmal auf Anfang“ von Kristoffer Borgli

von Renate Wagner
Das Drama – Noch einmal auf Anfang
USA 2026

Drehbuch und Regie: Kristoffer Borgli
Mit: Robert Pattinson, Zendaya u.a.
 
Wahrscheinlich sollte man manchmal besser den Mund halten, aber „Wahrheitsspiele“ als gesellschaftliche Unterhaltung sind ja vor allem im Kino beliebt. Im allgemeinen kommt nicht mehr dabei heraus, als daß man einmal im Kaufhaus eine Kleinigkeit hat mitgehen lassen oder dergleichen Petitessen. Emma Harwood hat aber mehr zu gestehen und tut es ungeschickterweise. In dem Film des Norwegers Kristoffer Borgli, dessen US-Debüt mit dem Nicolas-Cage-Film „Dream Scenario“ schräg genug ausgefallen ist, geht es nun um eine Beziehungsgeschichte, in der man als Betrachter selbst Stellung nehmen muß. Denn Emmas „Geheimnis“ ist starker Tobak. Si tacuisses wäre in diesem Fall empfehlenswert gewesen. 
Und die Frage lautet: Könnte man persönlich damit umgehen, wenn der Partner erzählt, daß er einst einen mörderischen Amok-Lauf auf die eigene Schule geplant und dafür schon mit der Waffe des Vaters probegeschossen hat (weshalb Emma auf einem Ohr taub ist)? Und nur die Tatsache, daß ihr ein ähnliches Verbrechen sozusagen zuvor gekommen ist, hat sie davon abgehalten. Will Charlie sie jetzt noch heiraten? Was würde man selbst tun?
 
Dabei fing es so harmlos an: Charlie (Robert Pattinson, nun auch schon 40, es ist ein Charaktergesicht geworden) sieht die hübsche Emma (Zendaya) in einem Coffee Shop, sie liest ein Buch, was heutzutage ja nicht mehr sonderlich üblich ist, er denkt sich einen Anmache-Schmäh aus, sie gefallen einander, und los geht’s. Könnte geradewegs eine romantische Komödie mit minoren Stolpersteinen werden, wenn die Skandinavier nicht so vergrübelte Filmemacher wären (und ihre Geschichten dann noch lieber formal verkorkst statt linear erzählen).
Mit dem Geständnis geht es ab in die Fast-Tragödie, zumal ja auch alle Bekannten davon wissen (es war sozusagen ein „öffentliches“ Geständnis) und nun auch ihre Schlüsse ziehen. Bricht man den Verkehr mit „so jemandem“ ab? Auch sind nicht alle Frauen loyal und spitzen vielleicht gleich den Mann an, der möglicherweise wieder frei wird.
Wir haben schon so viel verraten, also auch das: Die beiden heiraten tatsächlich, sind aber dann weidlich unglücklich, und ein finales Happyend wird nur ganz zart angedeutet. Schließlich hat man in der deutschen Fassung dem Originaltitel „The Drama“ noch die Zusatzinformation „Noch einmal auf Anfang“ mitgegeben. Dennoch: Man möchte in diesem Fall (was man sonst manchmal nach dem Ende eines Films tut) die Geschichte nicht weiterdenken.
 
Robert Pattison, vom schönen Jüngling zum Charakterdarsteller (zuletzt hat er an der Seite von Jennifer Lawrence in „Die My Love“ gewaltig gelitten), ist hier wieder angehalten, die ganze Skala vom Glück des Verliebten bis zur Verzweiflung des Ratlosen zu spielen, und er tut es perfekt. Und auch Zendaya, deren erotische Attraktivität ja doch ihr persönlich stärkstes As ist, rattert sich durch Glück und Unglück. Ein Drama, wie der Titel sagt. Das allerdings nicht in die politische Dimension weiter schürft, sondern auf der Partner- und Gesellschaftsebene bleibt.
Wer (auch auf Grund des Hochzeits-Foto-Plakats zum Film) eine romantische Star-Komödie erwartet, sei gewarnt: Es ist eigentlich sehr ungemütlich.