Von der Genesis bis zur schwäbischen Kehrwoche
Eine amüsante kleine Klischee-Revue
Inszenierung & Text: Hannah Frauenrath – Bühne & Kostüme: Hanga Balla, Polly Stephan – Dramaturgie: Marie-Philine Pippert – Regieassistenz: Tom Dockal – Inspizienz: Ilja Betser
Ensemble: Celine Hambach – Silvia Munzón López – Stefan Walz – Konstantin Rickert
Ums Ankommen geht es, ums Wurzeln schlagen, um das Finden von Heimat und Revier – und ums Nachhausekommen. In der am vergangenen Freitag im Wuppertaler Theater am Engelsgarten uraufgeführten „Stückentwicklung“ (das nennt man wohl heute so, wenn man sich nicht sicher ist, ob ein Stück festen Boden hat) „Home sweet home“ von Hannah Frauenrath und einem Vierpersonenensemble geht es um alles das. Da steckt viel drin, kennt doch wohl jeder Zuschauer die Fragestellung und hat vielleicht schon eine eigene Antwort darauf. Und viel wurde geboten.
„Home sweet home“ entpuppt sich sogleich als ein auf deutsche Befindlichkeiten abgestimmtes Stück, die vier Personen treten zu den leicht moderierten Anfangsversen der Genesis im archetypischen Morgengewand des Deutschen auf, dem längsgestreiften Bademantel. Musikalisch habe ich hier ein wenig den Einspieler von Richard Strauss´ „Also sprach Zarathustra“ op. 30 vermißt. Aber musikalische Einlagen werden folgen und sind ein großer Spaß. Und daß man mit eifersüchtigem Blick und ausgefahrenem Staubwedel sein Revier mißtrauisch vor dem Zugereisten verteidigt scheint mir ebenfalls recht deutsch zu sein. Mit feinem Gespür für allseits bekannte Lebensszenen, Tischgespräche und das menschliche Miteinander hat Hannah Frauenrath textreich und originell ein Libretto zusammengestellt, das Leerformeln und Klischees mit Witz aufarbeitet, wobei die gelungene Artikulation ebenso wie die Körpersprache der Akteure auf der Bühne den Ausschlag gibt. Unisex in besagte Bademäntel und Schlafanzüge gekleidet, unisex mit roten Perücken angeglichen, bei denen allenfalls ein Löckchen oder Herrenwinker den Unterschied macht, dazu clownesk geschminkt bringen Silvia Munzón López, Stefan Walz, Celine Hambach und Konstantin Rickert diese kleine Klischee-Revue, die nach ca. 45 Minuten etwas schwächelt, dann aber wieder Fahrt aufnimmt, mit Humor und darstellerischer Kraft über die Zeit.
Zentral wird die quälend-komische Situation des „Nachhausekommens“ einer längst selbständigen Tochter zu Besuch bei den Eltern bis zur peinlichsten Bemerkung und Redewendung gnadenlos satirisch gestisch analysiert, ja seziert. Das traf so manche(n) im Saal mit einschlägiger Lebenserfahrung bis ins Mark. Die Höhepunkte sind jedoch unbestreitbar die köstlich choreographierten, thematisch brillant in den Kontext gefügten musikalischen Einlagen aus Hildegard Knefs Chanson „Ich brauch´ Tapetenwechsel (sprach die Birke) und Edvard Griegs „Morgenstimmung“ aus der Geschichte des ruhelosen unbehausten norwegischen Ahasver „Peer Gynt“, urkomisch vom Ensemble umgesetzt, das sich so richtig austoben konnte. Ein amüsanter Abend auf gelungener minimalistischer Bühne.
Eine Frage kann ich mir zum Schluß dann doch nicht verkneifen: Wird es – der Eindruck kommt drängend auf – an diesem Theater eigentlich zum Grundsatz, daß Männern Frauenrollen zugewiesen werden und umgekehrt? Man würd´s halt gerne wissen.
Dauer: ca. 80 Minuten ohne Pause
Weitere Termine: www.wuppertaler-buehnen.de
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