Musik für Kopf und Herz
jazzahead! erfolgreich zu Ende gegangen
+++ Messe und Festival begeisterten über 20.000 Besucher +++ Partnerregion 2027 steht fest: die baltischen Staaten +++ Volle CLUBNIGHT in Bremen und Bremerhaven +++ Zukunft des Deutschen Jazzpreises in Bremen
„jazzahead? Jazz is not for the head, Jazz is for the heart“ rief Sahad. Der senegalesische Sänger und Gitarrist bildete mit seiner Band eines der Highlights des jazzahead!-Konzertprogramms. Mehr als 1000 Zuschauer tanzten, hüpften und sangen in der Halle 7 der Messe Bremen zu einer kochenden Mischung aus Afrobeat, Rock, Funk und Soul.
Für viele Besucher des weltweit größten Jazz-Meetings vom 22. bis 25. April 2026 war der Showcase-Abend der Höhepunkt des Samstags. Für andere dagegen war die parallel stattfindende Verleihung des sechsten Deutschen Jazzpreises Pflichttermin. Zuvor schon war der Staffelstab an die Partnerregion 2027, die baltischen Staaten, weitergereicht worden. Das Partnerland Schweden hatte das Showcase-Festival am Donnerstag mit dem lyrischen Piano-Jazz von Joel Lyssarides eröffnet. Das rauschende Finale am frühen Sonntagmorgen bestritt Posaunist Kristian Persson mit seiner Funk-Jazz-Band Nine Sparks Riots.
38 internationale Showcase-Konzerte gaben aufstrebenden Talenten und etablierten Namen eine Bühne. Die deutschen Acts wie Sängerin Sara Decker mit ihrem weiblich besetzten Quintett Expand zeigten sich in Form. Die New Yorker Berlinerin Sorvina sorgte am Kulturzentrum Schlachthof für einen Einlaßstop - mit poetischem Storytelling und intensivem Gospel-Soul riß sie das gesamte Publikum mit. Die Schweizer Bassistin/Sängerin Knobil bewies humorvolles Charisma; der Südafrikaner Sydney Mavundla sorgte für balladeske Trompetenklänge - nur vier Namen im beeindruckenden Jubiläumsprogramm. Clubnight in Bremen und Bremerhaven
Über 11.500 Besucher feierten bei der erstmals zweitägigen CLUBNIGHT in Bremen und Bremerhaven. 120 Konzerte, darunter die Funk-Party von Mazaratee im Pferdestall Bremerhaven, füllten die Clubs, Bars und Museen. Zum 200. Geburtstag von Bremerhaven 2027 soll das Programm in der Seestadt noch ausgebaut werden. Erstmals bespielte die jazzahead! den St. Petri Dom in Bremen, u.a. mit dem ergreifenden Auftritt des ukrainisch-schwedischen Duos Andrii Pokaz/Magnus Öström. Partnerregion 2027 – die baltischen Staaten
Mit der Übergabe des Staffelstabes an die künftige Partnerregion der jazzahead! endete die Messe am späten Samstagnachmittag. 2027 sind erstmals Länder im Fokus, die geographisch, historisch und kulturell eng verwachsen sind: Estland, Lettland und Litauen. Das Baltikum will sich als „unified export force in jazz” darstellen - und gleichzeitig Eigenheiten betonen. „Heutzutage ist nicht das Musikmachen das Problem, sondern die Sichtbarkeit”, betonte Dorotėja Būdaitė, Vorsitzende der Lithuanian Jazz Union. „Aber für echte Durchschlagskraft braucht es Partnerschaften”. Die jazzahead! baut diese Kooperationen aus - auch bei nachhaltigen Tourneen mit der Green-Touring-Plattform cooprog.eu/
Deutscher Jazzpreis in Bremen
Am Samstagabend fand die Verleihung des 6. Deutschen Jazzpreises im Rahmen der jazzahead! statt. Der Bremer Bürgermeister und Kultursenator Andreas Bovenschulte hielt eine mit viel Applaus bedachte Rede.
„Diese Veranstaltung beseelt mich”, rief Bovenschulte. „Jazz bürstet Hörgewohnheiten gegen den Strich und hat gleichzeitig Spaß. Es gibt viele Musikrichtungen, die sich autoritär vereinnahmen lassen, aber der Jazz widersetzt sich. Bremen ist tolerant, wir stehen für Internationalität und gegen Abschottung. Deswegen sind Jazzpreis und jazzahead! in Bremen so gut aufgehoben - heute und in Zukunft.” Die dreistündige Show mit vielen Live-Acts gibt es hier zum Nachschauen. Fachprogramm für Branchenprofis
Ihr Jahr beginne stets im April, sagte Aleksandra Line vom Latvian Music Information Centre. Was für die Lettin gilt, trifft auf viele der rund 3.000 Fachteilnehmenden zu. Die jazzahead! ist einer der wichtigsten Marktplätze für Jazz-Profis weltweit. In 50 Diskussionen und Workshops wurden Themen wie KI- und Touring-Trends behandelt.
Der Ansturm auf die Panels war so groß, dass zuweilen die Kopfhörer knapp wurden - besonders bei “Anyone can book a gig” (mit Agentin Katherine McVicker) und dem Talk mit Genevieve Artadi und Louis Cole von Knower. Ähnlich spannend die Vorschau auf die Pacific Region - von 2027 bis 2029 nimmt die jazzahead! den asiatischen Pazifik-Raum ins Visier. Die Sendung Kulturzeit auf 3Sat faßte es treffend zusammen:
„Für alle, die swingen, grooven und shufflen wollen - jazzahead!” Die jazzahead! in Zahlen: Insgesamt 2984 Fachteilnehmende aus 62 Ländern. Die 20.000 Besucher-Marke des Festivals wurde erneut überschritten.
Die Showcase-Live-Streams werden zu einem späteren Zeitpunkt auf der neuen Plattform ARD Jazz bereitgestellt. Ab Juni auf dem jazzahead! Youtube-Kanal. Aufwändig kompilierte Highlight-Videos mit Auftritten aus 20 Jahren jazzahead! finden sich jetzt schon auf ardjazz.de.
Jan Paersch
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