Vom Traum, unsinkbar zu sein

Ein Heimatfilm auf dem Meer von Regisseur Tom Fröhlich

Red.
Vom Traum, unsinkbar zu sein
Ein Heimatfilm auf dem Meer

Erzählt von Charly Hübner
von Regisseur Tom Fröhlich
Ab 2. Juli im Kino
 
DE | 2025 | 87 Minuten
Sprache: Deutsch
 
 jip film & verleih freut sich, den bundesweiten Kinostart von Vom Traum,  unsinkbar zu sein, am 2. Juli bekannt zu geben. 
Der neue Dokumentarfilm von Tom Fröhlich („Das perfekte Schwarz“) erzählt vom Schicksal von vier Schiffen der einst größten deutschen Hochseefischereiflotte, die die Wende überdauert haben und heute unter anderer Flagge in neuen Gewässern fahren. Nach der Doppelpremiere beim DOK.fest München 2025 und Filmkunstfest MV 2025 war der Film auf zahlreichen weiteren Festivals im Norden zu sehen, darunter Lübeck, Bremen und Husum. Erzählt von Charly Hübner, entfaltet der Rostocker Regisseur einen Heimatfilm auf dem Meer – über Geschichten, Erinnerung und Transformation.
 
Synopsis

In von Vom Traum,  unsinkbar zu sein erzählt der Rostocker Regisseur Tom Fröhlich eine Heimatgeschichte auf dem Meer. In ihrer Blütezeit umfaßte die Flotte der DDR-Hochseefischerei über 100 Schiffe – die größte, die je unter deutscher Flagge fuhr. In 40 Jahren Großreederei ging kein einziges Schiff auf See verloren. Heute existieren nur noch wenige dieser stählernen Kolosse. Vier von ihnen hat Tom Fröhlich aufgespürt: Vor Grönland, in einem spanischen Hafen, auf einem dänischen Schrottplatz und im Hamburger Hafen. Sie sind die letzten Zeugen einer untergegangenen Arbeitswelt und zugleich lebendige Orte, an denen auch heute noch gearbeitet, gelebt und erinnert wird. Erzählt von Charly Hübner. Der Film thematisiert die Auswirkungen von Wende, Globalisierung und Industrialisierung – zugleich ist er eine vielschichtige Reflexion über Erinnerung, Heimat und den schmerzhaften Verlust in einer sich stetig wandelnden Welt.
 
Regisseur Tom Fröhlich über den Film: 

Ich war 2014 auf den ersten Stammtischen der alten DDR-Hochseefischer. Große Treffen, zum Teil mit mehreren 100 Personen - von Waren über Weimar nach Dresden und Augsburg. Überall trafen sich die alten Matrosen, Kapitäne und Produktionsarbeiter. Ich lernte Menschen kennen, die unisono behaupteten, ihre besten Jahre auf See verbracht zu haben, bevor die Wiedervereinigung sie zwang, an Land zu bleiben (…) „Wir haben auf See nie ein Schiff verloren“. Diesen Satz hörte ich bei jedem der Treffen - gefolgt von der Erzählung, daß sie nach der Wiedervereinigung eben jene verloren hatten. Ihre Schiffe wurden überwiegend verschrottet, ein paar verkauft und einzelne verblieben in einem Rostocker Nachfolgebetrieb. 
Also begann ich die verbliebenen Schiffe zu suchen und fand vier, deren Schicksal in von Vom Traum,  unsinkbar zu sein erzählt wird. Ich war fünf Wochen im europäischen Nordmeer, in spanischen Polizeihäfen, auf Partys im Hamburger Hafen und schließlich in einer dänischen Verschrottungswerft - und wenn ich eins gelernt habe, dann, daß die Geschichten der Schiffe hunderte Seiten füllen könnten, aber am Ende bleibt der Stahl und der Rost.
Das Fischkombinat ist für mich ein Symbol für den einen riesigen Arbeitgeber, der viele Orte in Deutschland prägte, Identitäten schliff und dann irgendwann verschwand. Egal ob Zeche, Fabrik oder Hafen. Die Aufgabe die Geschichten dieser Orte zu erzählen, liegt bei meiner Generation - denn die Zeugen schwinden. Ich könnte heute denselben Film nicht noch einmal drehen: Viele der alten Seeleute, die mir ihre Geschichten erzählten, sind längst verstorben, die Hälfte unserer begleiteten Schiffe verschrottet.“ 
 
Historischer Hintergrund 

Die Flotte der DDR-Hochseefischer existierte von 1952 bis 1990. Nach den Anfängen auf Nord- und Ostsee wuchs die Flotte zu einer der größten Fischereiflotten der Welt. Von Rostock und Sassnitz aus fuhren die Seeleute auf ihren bis zu 400 Schiffen auf allen Ozeanen und Weltmeeren. Die 4000 Seeleute kamen aus der gesamten DDR. Die Arbeit auf den Schiffen war hart, die Reisen mit mehr als 100 Tagen lang - der Lohn: Die Fischer wurden gut bezahlt und die Schiffe fuhren durch den eisernen Vorhang. Landgänge in Amerika, Schottland und auf der ganzen Welt waren für die Seeleute möglich. Ab den 1970er Jahren wurden die Besatzungen der Schiffe mit Flugzeugen ausgetauscht - der Beruf war eine Chance für DDR-Bürger die Welt zu sehen. An Bord wurde das Kollektiv hochgehalten. Auf engstem Raum mußte man über Wochen und Monate miteinander auskommen, bevor es wieder nach Hause ging. Die meisten Fischer fuhren also entweder eine Reise oder ihr ganzes Leben lang. Nach der Wiedervereinigung wurde das Fischkombinat abgewickelt, die Flotte fast vollständig verschrottet oder nach Rußland und China verkauft. Die Besatzungen wurden entlassen. Viele der heute alten Fischer treffen sich immer noch auf Stammtischen, die über die ganze Republik, bis nach Bayern, verteilt sind.
 
Vom Traum, unsinkbar zu sein Ein Heimatfilm auf dem Meer| 2025 | Deutschland
Regie & Buch: Tom Fröhlich | Sprecher: Charly Hübner | Kamera: Michael “Midge” Throne, Anton Yaremchuk, Jörg Junge | Schnitt: Roland Possehl | Originalton: Tino Ammersdörfer, Christian Reiß | Komponistin: Friederike Bernhardt | Sounddesign: Moritz Busch, Roland Possehl | Mischung: Moritz Busch | Produktion: Roland Possehl, Wiebke Possehl (Populärfilm) | Koproduktion: Mitteldeutscher Rundfunk | Gefördert durch: Land Mecklenburg-Vorpommern, Kuratorium Junger Deutscher Film, Mitteldeutsche Medienförderung
Mit: „Luv un Lee“ | Vitalij Loskutov | Jewgeni „Genja“ Gennadjewitsch | Tschernenko Denis Vasiliwitsch | Álvaro Berguillo | Oliver Schmidt | Judith Barth | Guillermo Alonso | Urs Blaser | Sergej Ananev | Otto Jensen