Naß!

von Erwin Grosche

© Thomas Max Müller / Pixelio
Naß
 
Mensch, was bin ich froh, daß ich mich gut abtrocknen kann. Es wäre schrecklich, wenn ich naß wäre und müßte es bleiben. Naß sieht man manchmal unvorteilhaft aus, als wäre man ein Fisch. Als wäre man dreckig gewesen, hätte sich waschen müssen und wüßte dann nicht mehr weiter. Es ist schon erstaunlich, daß man sich abtrocknen muß, um so zu sein, wie es erwartet wird. Haben sie unsere Bundeskanzlerin mal naß gesehen? Das Gesicht kann sich selbst naß machen, wenn es weint. Ein Wassertropfen ist kein fester Zustand. Zum Glück. Wer weint, hat Recht. Wer weint hat so lange Recht, solange er weint. Danke Handtuch, daß es dich gibt. Wenn es kein Handtuch geben würde, dann wären wir oft so naß. Wenn man im Winter naß vor die Tür geht, dann braucht man sich nicht zu wundern, wenn man krank wird. Ich nehme ein Handtuch und ziehe es einmal durch mein Gesicht und alles ist trocken. Ich weiß noch, wie man als Kind abgetrocknet wurde. Man war manchmal naß und noch mit den Gedanken weiß Gott wo, dann kommt plötzlich ein Riesenhandtuch aus dem Nichts, man steht im Dunkeln und plötzlich ist alles trocken. Manche Mütter putzen einem noch die Nase, alles in einem Abwasch. Ich habe mal eine Frau abgetrocknet, da habe ich mir ganz viel Zeit gelassen. Irgendwann bekam sie eine Gänsehaut, da habe ich sie doch schnell angezogen.


© Erwin Grosche