Ein Gespr├Ąch vor der Wiener Staatsoper

belauscht

von Peter Bilsing

Foto © Frank Becker
Über den Verfall von Werten
 
Gespräch vor der Wiener Staatsoper:
 
"Karte zu verkaufen!" - "Wieviel soll´s denn kosten?" - "Na 300 Euro! Steht doch drauf." - "Zu teuer!" - "Gut, dann 200 Euro!" - "Warum geben´s denn so eine gute Karte wieder ab?" - "Rückenschmerzen und meine Frau ist krankgeworden." - "Ach so, und ich dachte schon, weil die Netrebo nicht singt?" - "Nö, iwoh, ich geh doch wegen des Stücks in die Oper und nicht wegen so einem sogenannten Superstar, außerdem gibt es viele Sängerinnen, die viel viel besser sind!" - "Na das beruhigt." - "Nehmen´s nun die Karte?" - "Aber wenn die Netrebko nun nicht singt?" - "Na gut, 150 Euro, aber das ist mein letztes Wort!!" - "Ohne Netrebko ist die Oper doch nur halb so schön." - "Die haben bestimmt hochwertigen Ersatz. In der Wiener Staatsoper singen ausschließlich Kräfte von Weltrang." - "Viele kenne ich aber gar nicht." - "Weil sie keine Ahnung haben. Also 100 Euro!" - "Sagen wir 20." - "Sie Halsabschneider, Sie Ignorant und Kunstverächter - schämen Sie sich!" - "Schaun´s, Sie werden die Karte ohnehin nicht mehr los; keine Japsen zu sehen und auch keine Amis." - "Gut, hier ist die Karte! Her mit den 20 Euro!" - "Nee, ich hab es mir überlegt. Ohne die Netrebko geh ich auch nicht rein, dann geh ich lieber in die Disko, da kostet es nur 10 Euro."
 
Erfunden natürlich! (Oder doch nicht?)

Redaktion: Frank Becker