Maestras. Malerinnen 1500-1900

25.02.-16.06.2024 im Arp Museum Bahnhof Rolandseck

von Ruth Eising / Red.

Sofonisba Anguissola, Selbstporträt, 1556
© Fondation Custodia, Collection Frits Lugt, Paris
Maestras. Malerinnen 1500-1900
 
Arp Museum Bahnhof Rolandseck
in Kooperation mit dem Museo Nacional 
Thyssen-Bornemisza, Madrid
 
25.02.-16.06.2024
 
Frauen wurden in der Geschichte der Kunst systematisch übergangen, ausgeklammert oder zum Einzelfall erklärt. Vielfach entdecken derzeit zahlreiche internationale Museen Künstlerinnen vom Mittelalter bis in die Moderne neu und würdigen ihren Anteil an der Entwicklung der Malerei.
Viele ihrer hochkarätigen Werke hingen bisher ungesehen in Museumsdepots. Das Arp Museum zeigt in Kooperation mit dem Museo Nacional Thyssen-Bornemisza in Madrid eine umfassende Schau mit Arbeiten von 46 Malerinnen aus bedeutenden europäischen Museen und Privatsammlungen. Die Ausstellung präsentiert nicht nur die in ihrer Zeit gefeierten Künstlerinnen wie Artemisia Gentileschi, Élisabeth Vigée-Le Brun oder Mary Cassatt sondern auch neu zu entdeckende Meisterinnen. Sie alle trotzten den erschwerten Arbeitsbedingungen und fanden eigene künstlerische Wege.
Das Spektrum reicht von mittelalterlichen Buchmalerinnen aus Nonnenklöstern über Künstlerinnen der Barockzeit, die in der väterlichen Werkstatt lernten, bis hin zu den Wegbereiterinnen der Moderne, die früh für ihren gleichberechtigten Platz einstanden.
 
„Maestras“ schlägt einen Bogen vom Mittelalter bis in die Anfänge der Moderne – und ist damit eine der ersten europäischen Schauen, die einen epochenübergreifenden Überblick über den vielfältigen Beitrag der Frauen zur Geschichte der Malerei liefert – von der Handschriften-Illuminatorin aus dem 12. Jahrhundert, über die in der Werkstatt ihres Vaters aktive Barockmalerin, die weiblichen Kunststars der Aufklärung bis zu den bahnbrechenden Wegbereiterinnen der Moderne im 19. und frühen 20. Jahrhundert. In allen Zeiten waren Frauen künstlerisch tätig, es ist die Geschichtsschreibung, die in der Ausstellung befragt wird.
Die Ausstellung ist vom Museo Nacional Thyssen-Bornemisza konzipiert worden und wird von einem Forschungsprojekt der Universitätsprofessorin Rocio de la Villa begleitet. Für das Arp Museum wurde die Ausstellung erweitert und adaptiert. Frühe Werke von Malerinnen wurden ergänzt und zugleich der Dialog mit der Sammlung Rau für Unicef intensiviert, da diese auffallend viele Malerinnen würdigt.
 
Wie waren die Arbeitsbedingungen für die Künstlerinnen der Vergangenheit? Gab es bestimmte ihnen zugewiesene „klassische“ Aufgabenfelder? Ab wann konnten sie sich eigenständig kreativ entwickeln? Diesen und noch mehr Fragen möchte unsere Ausstellung auf den Grund gehen.
 
Die Ausstellung gliedert sich in fünf Bereiche:
 
1. Zwischen Licht und Schatten, 1200–1800
Bereits in den Nonnenklöstern des Mittelalters arbeiteten hochspezialisiete Buchmalerinnen und Autorinnen wie Gisela von Kerssenbrock oder Hildegard von Bingen, die visionäre Bildwelten schufen, die ihresgleichen suchen. In der klassischen Kunstgeschichtsforschung wurde die Vielzahl der Nonnenmalerinnen gerne despektierlich der Volkskunst zugeordnet.
Diese Kategorisierung läßt sich nicht qualitativ begründen, da sie in nichts ihren männlichen Kollegen nachstanden. Selbstbewußt signierten sie ihre Werke und erschienen oftmals in Augenhöhe zum religiösen Geschehen ihrer Illustrationen im Porträt.


Fede Galizia, Judith und Holofernes, 1601-10 © Palacio Real de La Granja 
de San Ildefonso, Segovia, Patrimonio Nacional, Madrid


Artemisia Gentioleschi, Büßende Maria Magdalena 1622-25 (det.)
Privatsammlung Norfolk Foto Denisa Ilie

 
2. Vive l’Esprit – Ein Hauch von Freiheit
Die Ideen- und Karriereschmiede der Aufklärung des 18. Jahrhunderts waren die Salons, regiert von einflußreichen meist adeligen Mäzeninnen an ihrer Spitze. In ihrem Dunstkreis machte sich – insbesondere für Frauen und Künstlerinnen – eine Kultur der Freiheit breit. Angelika Kaufmann, Élisabeth Vigée Le Brun oder deren Schülerin Marie-Victoire Lemoine agierten beruflich unabhängig und familär ungebunden auf der internationalen Bühne. Sie entwickelten sich zu umworbenen Kunstschaffenden ihrer Zeit, denen im Fall von Vigée Le Brun sogar ein Platz in der begehrten Kunstakademie sicher war.


Giovanna Garzoni, Stillleben mit Kirschen auf einem Teller, Bohnenschoten und einer Holzbiene, 1642-51
© Gallerie degli Uffizi, Gabinetto Fotografico, Florenz

 
3. Naturforscherinnen
Die Feinmalerei der Stillleben stellte im 17. und frühen 18. Jahrhundert ein spezielles Aufgabengebiet für jene Künstlerinnen dar, die sich naturwissenschaftlich für Flora und Fauna begeisterten wie die mittelalterlichen Nonnenmalerinnen vor ihnen. Maria Sibylla Merian erlangte durch ihre Forschungen und eindrucksvollen Naturstudien Berühmtheit und Rachel Ruysch erzielte mit ihren Blumendarstellungen höchste Preise auf dem internationalen Markt. Als erste Frau wurde sie 1701 in die Malergilde von Den Haag aufgenommen.


Élisabeth Louise Vigée Le Brun, Lady Hamilton als Bacchantin, ca. 1790–92

 
4. Von Rollen und Klischees
In Romantik, Biedermeier und Historismus sind die Freiheiten der Aufklärung vergessen, findet weibliche Kreativität lediglich enge Spielräume innerhalb traditioneller Rollenklischees. Von den Akademien verbannt, entwickeln sich junge Künstlerinnen nurmehr in privaten Kunstschulen, die ihrem Schaffen Grenzen setzen. Es sind die klassischen Aufgabenfelder meist bürgerlicher Frauen, die im Fokus von Berthe Morisot, Mary Cassatt u. a. stehen: Mutterliebe und Hausarbeit bestimmen großflächig die Leinwand.


Mary Casatt, Louise ihr Kind stillend 1898 - © Arp Museum Bahnhof Rolandseck 
Sg. Rau für UNICEF, Foto Mick Vincenz

 
5. Moderne und Avantgarde
Erst das frühe 20. Jahrhundert führt zu einer endgültigen Befreiung der Kunst aus ihren engen geschlechtsspezifischen Grenzen. Von nun an rückt die künstlerische Innovationsleistung in den Vordergrund, die weniger geschlechtlich gebunden ist, sich zugleich auch von Form, Gegenstand und Genregrenzen löst. Mit der Geschichte der Abstraktion im 20. Jahrhundert beginnt eine Neuordnung der Kunstgeschichte.


Sonia Delaunay, Simultane Kleider (Drei Frauen, Formen, Farben), 1925

 
Maestras. Malerinnen 1500-1900
25.02.-16.06.2024
 
Landes-Stiftung Arp Museum Bahnhof Rolandseck
Hans-Arp-Allee 1 - D-53424 Remagen
Weitere Informationen: https://arpmuseum.org/