Stilles Begräbnis

von Joachim Klinger

Foto © Karl-Heinz Krauskopf


Stilles Begräbnis
 
Die Beerdigung hat stattgefunden“ -
heißt es und dazu „in aller Stille“.
Unauffällig ist er hingeschwunden.
War das nun des Toten Wille?

Wünschte er nicht eine Blaskapelle
und das Lied vom toten Kameraden,
einen Segen auf des Hauses Schwelle
und ein Kaiserwort von Gottes Gnaden?

Schließlich diente er als Hauptmann der Ulanen,
dann als Amtmann über dreißig Jahre,
sprach von „Bürgern“, nicht von „Untertanen“,
nannte das Gesetz „das einzig Wahre“.

Solche Menschen stehen stets auf Posten,
garantieren Ordnung und Bestand auf Dauer.
Scheute jemand hier Begräbniskosten
und den Aufwand öffentlicher Trauer?

Ach, wir wollen nicht mehr danach fragen!
Gönnen wir dem Mann die letzte Ruhe!
Außerdem: Die laut den Tod beklagen,
machen häufig nur Getue.
 
Joachim Klinger