An die Begehrte
Gieb deine Marmor-Brüste mir zum Kuss
Benetze meinen Mund mit deiner Lippen roter Frucht
Darin der Zähne elfenbeinern Reihe glänzet
Und schenck mir deines Leibes sichre Bucht.
Du bis so schön, dasz deinem Liebreitz man verfallen muss
Kein Antlitz ist so lockend suesz wie deines
Dein zarter Leib ist köstlich wie ein Honig-Fluss
Muss kosten ihn im Rausch, im Rausch des Weines!
Lass jetzund mich in deinen duncklen Augen lesen -
Dasz dieser Kuss die wahre Seligkeit gewesen.
Itzt öffne deine weissen schlancken Arme weit
Dann jene Pforte der Glück-Seligkeit -
Die duftend mir das wahre Paradiß verheißt -
Worum mein gantzes heisses Sehnen kreist
Damit, wenn einst der Erde Rund ich lassen muss,
In meinem Hertzen bei mir trage ewigen Genuss.
Utz von Trenklingen
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