An Trinius

von Adelbert von Chamisso

„Mareridt“ von Nikolaj Abraham Abildgaard um 1800 


An Trinius

Der Unhold, der im Schlaf mich überfallen,
Brach meine Kraft ohn allen Widerstreit;
Auf meine Brust sich legend schwer und breit,
Riß er ins Fleisch mir schmerzlich seine Krallen.

Ich sprach: „Geschehe, was dem Herrn gefallen!
Rufst du, sein Knecht, mich ab? Ist's an der Zeit?
Du findest mich gerüstet und bereit.“ -
Er ließ ein Hohngelächter gellend schallen.

Ich schaute scharf ihn an; da troff ein kalter
Angstschweiß von meiner Stirn herab, da hatt´s
Ein Ende bald mit meinem kecken Mut.

Er sprach; „Geduld! ich sauge bloß dein Blut;
Du meintest schon den Tod? Nicht also, Schatz:
Ich bin, von dem du fabeltest - das Alter.“


Adelbert von Chamisso