Mozart ohne Wolfgang Amadeus

Clarissa Bevilacqua – „Mozartiana“

von Frank Becker

Foto © Davide Cerati
Mozart ohne Wolfgang Amadeus
 
Ein brillantes Album über das 
musikalische Nachleben des Genies
 
Mozart jüngster Sohn Franz Xaver steht am Beginn dieser außergewöhnlichen, zugleich außergewöhnlich brillanten Reminiszenz an Wolfgang Amadeus. Seine Sonate für Violine und Klavier in B-Dur, op. 7 eröffnet in hinreißender Zartheit Clarissa Bevilacquas Album „Mozartiana“. Begleitet von der sensiblen Pianistin Martina Consonni scheint Bevilacquas Bogen zu schweben, macht im Zusammenspiel mit dem federleichten Anschlag Consonnis sogar das Presto der insgesamt knapp 22 Minuten zum musikalischen Baiser.
 
Schwerer „wiegt“ da schon Paul Hindemiths Sonate nicht allzu oft gehörte für Violine, Op. 31, No. 2 für Violine solo, mit der die Virtuosin in eine fast verwunschene Welt entführt und jeden, der Neue Musik gewöhnlich ablehnt, eines Besseren belehren kann. Clarissa Bevilacqua spielt das viersätzige Stück mit höchster Delikatesse und einem so zierlichen Pizzicato in „Gemächliche Viertel“, daß man am liebsten sogleich auf Repeat drücken möchte. Sophia Janis folgende kleine „Cadenza“ für Violine und Klavier ist ein ebenso feines, zartes Schmankerl, wieder vom bewährten Duo Bevilacqua/Consonni geboten, legt sich wie ein Hauch von Feenstaub über den Moment.
Florian Willeitners „To be Mozart or not to be!“ (Basierend auf Motiven von Mozarts Violinkonzert No. 3 G-Dur KV 216) mag nicht zu den besten Stücken des Albums zählen, gibt der Solistin innerhalb ihrer Auswahl aber Raum für eine temperamentvolle Präsentation Neuer Musik, die es dadurch denn doch in sich hat.
 
Die 12 Variationen über „Se vuol ballare“ in F-Dur, WoO 40 Ludwig van Beethovens sind ein famoser Spaß, den sich der damals junge Komponist mit Mozarts Oper „Die Hochzeit des Figaro“ erlaubt hat. Mit Martina Consonni an ihrer Seite ist Clarissa Bevilacquas Spiel hier auch für den Hörer ein großes Vergnügen geworden.
Noch einmal Neue Musik? – Gerne! Alfred Schnittkes „Moz-Art für zwei Violinen“ (nach dem Fragment KV 416d) ist mit seinen knapp sechs Minuten hörbar ein Riesenspaß für Bevilacqua und ihre Freundin Larissa Cislinsky gewesen, die sich hier unisono vorzüglich ergänzen.
Schwerblütig schließt sich Jorge A. Bossos „Ascoltate, dei della vendetta“ mit Rapsodia und Fuga an, bevor Giovanni Sollima mit seinem „Trazom“ der grandiosen Musikerin ein abschließendes temperamentvolles Solo ermöglicht, das einen schönen Schlußpunkt setzt.
 
Das Album „Mozartiana“ erscheint am 06.03.2026 als Koproduktion mit BR-Klassik und ist sehr zu empfehlen. Aufgrund seiner hervorragenden solistischen Leistungen und dem exzellenten technischen Ergebnis seiner Aufnahmen bekommt es unser Prädikat, den Musenkuß.


Clarissa Bevilacqua - Foto © Davide Cerati

 
Clarissa Bevilacqua – „Mozartiana“
© Berlin Classics / Edel (CD)
 
Clarissa Bevilacqua (vl) – Martina Consonni (p) – Larissa Cidlinsky (vl)
 
1. Franz Xaver Mozart: Sonate für Violine und Klavier in B-Dur, Op. 7: I. Allegro - 2. Sonate für Violine und Klavier in B-Dur, Op. 7: II. Adagio ma non troppo - 3. Sonate für Violine und Klavier in B-Dur, Op. 7: III. Presto - 4. Paul Hindemith: Sonate für Violine, Op. 31, No. 2: I. Leicht bewegte Viertel - 5. Sonate für Violine, Op. 31, No. 2: II. Ruhig bewegte Achtel - 6. Sonate für Violine, Op. 31, No. 2: III. Gemächliche Viertel - 7. Sonate für Violine, Op. 31, No. 2: IV. Fünf Variationen über das Lied „Komm, lieber Mai“ von Mozart - 8. Sophia Jani: Cadenza für Violine und Klavier - 9. Florian Willeitner: To be Mozart or not to be! (Basierend auf Motiven von Mozarts Violinkonzert No. 3 G-Dur KV 216) - 10. Ludwig van Beethoven: 12 Variationen über „Se vuol ballare“ in F-Dur, WoO 40 - 11. Alfred Schnittke: Moz-Art für zwei Violinen (Nach dem Fragment KV 416d) - 12. Jorge A. Bosso: Ascoltate, dei della vendetta: I. Parte prima (Rapsodia) - 13. Ascoltate, dei della vendetta: II. Parte seconda (Fuga) - 14. Giovanni Sollima: Trazom
Gesamtzeit: 1:17:03