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Wortgefecht
Alle Wörter, die auch Wörter hießen,
trafen sich, um endlich zu beschließen
Vorrang, Nachrang und so weiter
auf der Etikettenleiter.
Auf dem Stuhl als Präsident
saß das Machtwort unbeirrt,
und es hat sofort getrennt,
wer nichts gilt und wer was wird.
Jedes Hauptwort ist gewöhnlich
und gehört zur großen Masse.
Vor- und Nachwort, sehr persönlich,
sind gewiß von and'rer Klasse.
Jedes Fürwort muß bescheiden
sich als schlichter Diener kleiden.
Scherz- und Schimpfwörter verlieren
ihre Mitgliedschaft total.
Füllwörter hingegen zieren
und bereichern kolossal.
Als das Machtwort so verfuhr,
rief ein Grußwort recht asthmatisch,
dies sei gegen die Natur
und auch gar nicht demokratisch!
Da begann auf allen Seiten
lautes Schimpfen, Schreien, Streiten,
und der Argumente Mangel
führte bald schon zum Gerangel.
Das wogt auf und wogt auch nieder.
Plötzlich lähmt ein Schreck die Glieder.
Wie vom Teufel aufgerufen,
steht das Stichwort auf den Stufen,
und dann sticht es und ersticht
kalt das Machtwort, das noch spricht.
Soll man diesen Täter hassen?
Schnell und fassungslos verlassen
alle jenen Schreckensort.
Selbst das Schlußwort geht rasch fort.
Nicht einmal ein Nachwort blieb.
Niemand hat das Machtwort lieb.
PS.: Diese Story ist verbürgt - vom Ehrenwort
Leider ging dasselbe kürzlich über Bord.
Joachim Klinger
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