un|realisiert

Picasso-Museum Münster zeigt unrealisierte Projekte von Christo und Jeanne-Claude

von Andreas Rehnolt
Picasso-Museum Münster 
zeigt erstmals unrealisierte Projekte
von Christo und Jeanne-Claude
 
Die Ausstellung präsentiert publikumswirksame Großprojekte und doppelt so viele Vorhaben der Verpackungskünstler, deren Umsetzung scheiterten
 
Das Picasso-Museum in Münster zeigt seit dem 4. April die Ausstellung „Christo und Jeanne-Claude: un|realisiert“. Damit widme sich erstmals in Deutschland eine Ausstellung den unrealisierten Projekten des Künstlerpaares, das vor allem durch seine spektakulären Interventionen im Stadt- und Landschaftsraum Berühmtheit erlangte, hieß es in einer Mitteilung des Museums. Dabei stehen den publikumswirksamen Großprojekten mehr als doppelt so viele Vorhaben entgegen, deren Umsetzung scheiterte und die sich entsprechend weniger ins kollektive Gedächtnis eingebrannt haben – darunter etwa auch die Verhüllung von Picassos monumentaler Skulptur mit dem Titel „Bust of Sylvette“ auf dem Gelände der New York University. Die Schau in Münster ist bis zum 28. Juni zu sehen. 
Vor allem in Christos und Jeanne-Claudes druckgrafischem Werk nehmen die unrealisierten Projekte einen großen Platz ein. Die Münsteraner Ausstellung trägt diesem Umstand Rechnung und zeigt vornehmlich die handwerklich teils aufwendig gestalteten Lithografien und Collage-Grafiken des Künstlerpaares.. Das umfangreiche Konvolut, das aus dem Bestand der Christo and Jeanne-Claude Foundation in New York stammt und um weitere Leihgaben aus privaten wie öffentlichen Sammlungen ergänzt wird, gewährt einen umfassenden Einblick in die unbändige Schaffenskraft und Beharrlichkeit der Künstler, die für die Realisierung ihrer Projekte oft jahrzehntelang gegen technische, rechtliche und administrative Hürden kämpften. 
Die Ausstellung versammelt über einhundert Arbeiten aus sechzig Jahren und ermöglicht einen tiefen Einblick in Christo und Jeanne-Claudes facettenreiches Schaffen, das durch seinen ästhetischen Anspruch und kollektiven Ansatz nicht erst in der Realisierung, sondern bereits im Entwurf und Prozeß seine visuelle und gesellschaftliche Kraft entfaltete. Auch die Anfänge der künstlerischen Arbeit von Christo (1935-2020) und Jeanne-Claude (1935-2009) werden in Münster präsentiert. Auch die Werke, die bis zu ihrem Umzug nach New York im Jahre 1964 entstanden sind zu sehen. Erstmals ausgestellt sind nahe alle der frühen Auflagenobjekte. 
Daß zum Erfolg auch das Scheitern gehört, will die Schau in Münster auf eindrückliche Weise deutlich machen. Christo und Jeanne-Claude haben mit ihren Arbeiten im öffentlichen Raum sowohl politische, ökonomische als auch soziale Fragen berührt und damit nicht selten vehemente Ablehnung provoziert. Beispielhaft beleuchtet eine Auswahl an Originalzeichnungen, Collagen und Filmmaterial den 25-jährigen Kampf um das Projekt Over the River, das zunächst genehmigt und schließlich nach zahlreichen juristischen Auseinandersetzungen von Christo aufgegeben wurde.
 
Die Ausstellung ist dienstags bis sonntags von 10-18 Uhr geöffnet.
Kunstmuseum Pablo Picasso - Picassoplatz 1 - 48143 Münster - Tel.: 0251 -41447-10