Marsch aus El Alamein

von Karl Otto Mühl

© Verlagsunion Erich Pabel-Arthur Moewig


Marsch aus El Alamein
 
Zug ohne Heimkehr. Jeder Schritt
zerrt Strauch und Stein und Wüste mit.
Ein aufgeschrecktes, dunkles Heer,
und Rufe flattern hin und her
wie schwarze Vögel überm Karst.
Wir schliefen lang. Die Stille barst.
Der Schlaf, aus dem man uns geweckt,
war ängstlich und war aufgedeckt;
wir waren fiebrig, waren bloß,
und nur die Träume waren groß.
War eines Lebens Angst und Lust,
Begier und Süchte, kaum gewußt,
Entgleiten, Altern und Gebrest
ins Keuchen einer Schlacht gepreßt.
Wir schliefen lang. Nun nimmt der Schritt
die Qual von tausend Toden mit,
hallt in den Himmel, fahl und weit,
hallt durch die Wüste, durch die Zeit –
oh, steht und hört, wie ferne doch
so zitternd wild der Herzschlag pocht
von tausend Müttern.
 
 
Karl Otto Mühl